Was Sie schon immer über den ökologischen Obstbau wissen wollten - hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen.
Aktuell: Schiffstransport versus Langzeitlagerung regionaler Äpfel
Was ist ökologischer Obstbau?
Wird im Bio-Obstbau auch gespritzt?
Was versteht man unter "schorfresistenten" Apfelsorten?
Wachsen Ökoäpfel - wie früher üblich - auf großen Bäumen?
Wozu "Frostschutzberegnung"?
Ist Bio eigentlich besser?
Wie kommt es, dass die Äpfel im späten Frühjahr noch so schmecken wie frisch vom Baum?
Optisch unterscheiden sich Augustins Äpfel kaum von Konventionellen. Sind die überhaupt "Bio"?
Warum sind Bio-Äpfel nicht so billig
wie Äpfel aus konventionellem Anbau?
Warum sind eigentlich die guten alten Apfelsorten vom Markt verschwunden?
Wie bewahre ich die Bio-Äpfel am besten auf?
Die Schale einiger Äpfel glänzt so und fühlt sich fettig an. Sind die gewachst?
Aktuell: Schiffstransport versus Langzeitlagerung regionaler Äpfel
Immer wiederkehrenden Pressetexten zufolge haben die weitgereisten Äpfel von der Südhalbkugel im Frühjahr eine günstigere Energiebilanz als regional erzeugte Äpfel. Die Langzeitlagerung verbrauche mehr Energie als der Schiffstransport. Dieses kann in ganz bestimmten Situationen im Frühjahr tatsächlich einmal der Fall sein. Im Fokus der öffentlichkeitswirksam aufbereiteten Information (wie z.B. von der BASF) steht aber jeweils die Menge der eingesetzten Energie, nicht aber deren Art und Umweltrelevanz. Während die Transportschiffe grundsätzlich fossile Energieträger verbrennen, verwendet die Bio-Obst Augustin KG für die Langzeitlagerung regenerative Energien. Zudem wurden die Langzeitläger jüngst auf neueste, energiesparende Technik und mit Systemen zur Wärmerückgewinnung ausgerüstet.
Was ist ökologischer Obstbau?
Der ökologische Landbau ist eine besonders umwelt- und ressourcenschonende
Form der landwirtschaftlichen Erzeugung. Im Gegensatz zum konventionellen
oder auch integrierten Landbau verzichtet man beim ökologischen Landbau
konsequent auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische
Dünger. Im integrierten Landbau werden diese Mittel nicht planvoll,
sondern nach Bedarf eingesetzt - wenn beispielsweise die Belastung durch
Schädlinge eine gewisse Schwelle überschreitet.
Im ökologischen Landbau wird die Bodenfruchtbarkeit durch Kompostwirtschaft und/ oder betriebseigene Dünger erhalten. "Un"-Kraut, Krankheits- und Schädlingsbekämpfung erfolgen durch biologische Maßnahmen. Auch das verwendete Saat- und Pflanzgut stammt - natürlich gentechnikfrei - aus ökologischem Landbau (http://www.soel.de).
Dierk Augustin, der beide landwirtschaftlichen Produktionsmethoden aus der Praxis kennt und sich bewusst für den ökologischen Obstbau entschieden hat, meint dazu: "Man muss bei der Arbeit heute mehr denken als früher."
Die praktischen Unterschiede zwischen ökologischem und integriertem Obstbau:
Jeder Öko-Obstbau wird doppelt kontrolliert: Zum einen durch seinen
Anbauverband (bei Augustin ist dies Demeter), zum anderen durch
seine EG-Kontrollstelle. Die gesetzliche Regelung hierzu steht
in der "Verordnung
(EWG) Nr. 2092/91 über den ökologischen Landbau und der entsprechenden
Kennzeichnung der landwirtschaftlichen Erzeugung und Lebensmittel",
kurz Öko-Verordnung
genannt (EG-VO - http://www.europa.eu.int).
Der Ertrag der Obstbauflächen liegt im ökologischen Obstbau um
ca. 33 % niedriger als bei vergleichbaren Flächen, die im integrierten
Landbau bewirtschaftet werden. Zudem ist der Arbeitsaufwand höher.
Trotzdem schaffen es die Augustins seit Jahren, bei der Preisgestaltung
dem Kunden so weit wie möglich entgegen zu kommen und trotzdem wirtschaftlich
zu produzieren.
Foto: Beim Rühren der Demeter-Präparate
Wird im Bio-Obstbau auch gespritzt?
"Spritzen" wird häufig gleichgesetzt mit "Gift spritzen" und daraus resultiert eine generelle Abneigung gegen einen mechanischen Vorgang, der nichts damit zu tun hat, was sich in der Spritze befindet.
Strikt verboten ist im ökologischen Obstbau ist die Verwendung von
Gegen den Schorf-Pilz werden die Elemente Kupfer und Schwefel (die
als Spurenelemente im Apfel von Natur aus schon vorkommen) gespritzt,
Neem (Extrakt aus den Kernen des Neembaumes) gegen Läuse, Quassia
(Bitterholz-Extrakt) gegen den Befall der Apfelsägewespe, Algenpräparate
und Vinasse zur Nährstoff-Versorgung, Heißwasser-Methode gegen
Lagerfäulen,
Gesteinsmehle, um die Phenolbildung (Abwehr) anzuregen.
Heute gibt es nicht gegen jeden Schädling ein natürliches Spritzmittel:
Blutlaus-Kolonien werden daher nur mit einem scharfen Wasserstrahl
abgespritzt. Zudem experimentieren die Augustins auch mit selbsthergestellten
homöopathischen Präparaten.
Bio-Anbau heißt für die Augustins jedoch nicht nur, chemisch-synthetische
Mittel gegen organische auszutauschen, sondern darauf hinzuarbeiten, die
Pflanze durch ganzheitliche Maßnahmen wie die Gesunderhaltung des
Bodens und Förderung von Nützlingen durch Biotope und Blühstreifen
gegen Krankheiten widerstandsfähig zu machen.
Was versteht man unter "schorfresistenten" Apfelsorten?
Wenn Äpfel und häufig auch die Blätter von rundlichen schwarzen
Flecken übersät sind, deutet dies auf den gefürchtetsten
Pilz im Obstbau hin - den Apfelschorf. Gefürchtet deshalb, weil er
nicht mehr wegzukriegen ist, wenn die Frucht einmal infiziert ist. Der Pilz
schleudert immer wieder Sporen aus, die dann wieder auskeimen. Die Sporenkapseln
können sogar überwintern, womit der Teufelskreis im nächsten
Jahr von Neuem beginnt.
Deshalb muss im Frühjahr, wenn es warm und feucht wird, vorbeugend
gespritzt werden.
Das bedeutet ständige Alarmbereitschaft für den Öko-Obstbauern, denn er kann nichts mehr tun, wenn eine Infektion schon stattgefunden hat. Im konventionellen Anbau kann mit chemisch-synthetischen Mitteln nachträglich noch eine Infektion abgetötet werden. Im ökologischen Obstbau steht zur Vorbeugung Kupfer und Schwefel zur Verfügung. Da Spritzen aber immer mit Aufwand und Kosten verbunden ist und es immer besser ist, gar nicht zu spritzen, werden mehr und mehr Apfelsorten gepflanzt, die gegen Schorf resistent sind. Besonders in ehemals sozialistischen Staaten, wie der DDR oder der Tschechoslowakei wurde aufgrund der dort fehlenden synthetischen Pflanzenschutzmittel schon seit Jahrzehnten in diese Richtung geforscht.
Nun steht uns eine Fülle von neuen leckeren Sorten, wie Dalinbel oder Topaz zur Verfügung, die schorfresistent sind. Jeder Verbraucher kann mit der "Abstimmung an der Verkaufstheke" dazu beitragen, die neuen und wohlschmeckenden Apfelsorten am Markt zu etablieren.
Wachsen Ökoäpfel - wie früher üblich - auf großen Bäumen?
Nein. Im ökologischen Apfelbau werden "kleinkronige" Bäume
mit schwachwachsender Wurzel verwendet. Die großen Sämlingsbäume
sind schön und landschaftsprägend. Aber die Früchte sind
nicht so ausgereift und geschmackvoll wie bei den von uns eingesetzten "kleinkronigen" Bäumen.
Der Typ 9 (Fachbegriff im Obstbau, bedeutet Baum mit schwachwachsender Wurzel) bietet auch dem Öko-Obstbauern und dem Apfelkonsumenten viele Vorteile:
Wozu "Frostschutzberegnung"?
Nicht selten gibt es während der Blütezeit im Mai und sogar noch
im Juni Nachtfröste, die einen großen Teil der Blüten vernichten
oder die Früchte schädigen können. Sobald es nachts zu frieren
beginnt, wird die Beregnungsanlage eingeschaltet, um die gesamten Anlagen
zu beregnen.
Das Wasser gefriert um die Blüte, wodurch Wärmekalorien frei werden und die empfindliche Blüte mit einem frostsicheren Schutzpanzer umschlossen wird. Es muss solange weiter beregnet werden, bis die Außentemperatur wieder Plusgrade erreicht.
In langen Frostnächten bilden sich somit
lange Eiszapfen und man kann morgens in der Sonne bizarre Gebilde
bestaunen.
Da zahlt es sich aus, dass Augustin in einem wasserreichen Gebiet
Obstbau betreiben. Im Laufe der Jahre wurden drei Staubecken angelegt, um
in Frostnächten genügend Wasser zur Verfügung zu haben. Die
Wasserbecken dienen aber nicht nur der Beregnung. Augustins haben rundherum
heimische Gehölze gepflanzt, seltene Pflanzen säumen das Ufer
und im Wasser tummeln sich Frösche, Hechte, Barsche und vieles mehr.
Ist Bio eigentlich besser?
Ist Bio besser? Das Ergebnis einer 12 Mio. Britische Pfund teuren und vier Jahre dauernden Studie wird eine jahrelange Debatte beenden und könnte die Ansicht der Regierung ändern, dass Bio-Lebensmittel nicht mehr als ein Lebensstil sind, berichtet The Sunday Times. Die Untersuchung stellte fest, dass Bio-Obst und -Gemüse über 40 % mehr Antioxidantien aufwies. Von ihnen nehmen Wissenschaftler an, dass sie die Risiken von Krebs und Herzerkrankungen herabsetzen, zwei der Haupttodesursachen in Großbritannien. Sie enthalten auch höhere Anteile von Mineralstoffen wie Eisen und Zink. Professor Carlo Leifert, der Koordinator des von der Europäischen Union unterstützten Projekts, erklärte, dass die Unterschiede so markant seien, dass auch Leute, die nicht die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse täglich essen, bei biologischer Ernährung genügend wichtige Inhaltsstoffe zu sich nehmen.
Originaltext aus der The Sunday Times 28. October 2007
Wie kommt es, dass die Äpfel im späten Frühjahr noch so schmecken wie frisch vom Baum?
Wenn im Herbst Erntezeit ist, werden die Äpfel direkt vom Baum in
300-kg-Holzkisten gepflückt. Wenn faule Äpfel dazwischen sind,
werden diese fallen gelassen oder aussortiert. Die vollen Kisten werden
dann in die CA-ULO - Zellen eingelagert.
Was ist CA-ULO?
CA steht für "controlled atmosphere" und ULO für "ultra
low oxygenium", also extrem wenig Sauerstoff. Wenn eine Klimazelle
voll ist, wird sie gasdicht verschlossen. Nun veratmen die Äpfel den
Sauerstoff, bis nur noch 1,2 % (statt sonst 21 %) in der Luft enthalten
sind. Jetzt verringert sich der Stoffwechsel des Apfels auf ein Minimum
- in diesem "Winterschlaf" bleiben Äpfel monatelang frisch.
Die atmosphärischen Bedingungen in der Lagerzelle werden laufend computergesteuert
gemessen und geregelt. Die Luftfeuchtigkeit beträgt 93 % und die Temperatur,
je nach Sorte, 2-5 Grad Celsius.
So schmecken Augustins Bio-Äpfel auch im April noch wie frisch vom
Baum.
Optisch unterscheiden sich Augustins Äpfel kaum von Konventionellen. Sind die überhaupt "Bio"?
Ein ökologisch
produzierter Apfel muss nicht zwangsläufig schrumpelig
oder fleckig sein.
Dafür wird bei den Augustins rund ums Jahr
viel Arbeit in die Äpfel gesteckt:
Warum sind Bio-Äpfel nicht so billig wie Äpfel aus konventionellem Anbau?
Beim ökologischen Obstbau ist erheblich mehr Handarbeit notwendig.
Den größten Aufwand erfordert der Verzicht auf Herbizide.
Beikräuter, die dem Baum zu viele Nährstoffe und Wasser nehmen,
müssen mit Maschinen, mit Hacke und Spaten oder am Stamm mit der
Hand entfernt werden.
Bio-Spritzmittel sind schwieriger auszubringen
und weniger wirksam als chemisch-synthetische. Dadurch schwanken
die Erträge,
und befallene Früchte müssen häufig per Hand herausgepflückt
werden. Durch den Verzicht auf Ausdünnungs-Hormone während der
Blüte
wird zu dichter Behang am Baum mit der Hand ausgedünnt.
Durch Verzicht
auf schnelllösliche Stickstoffdünger wachsen
die Äpfel langsamer und bleiben insgesamt kleiner.
Es wird weniger geerntet, weil vorher mit Äpfeln bepflanzte Flächen
mit Gehölzhecken und blühenden Kräutern bestellt werden.
Das fördert die ökologische Vielfalt und schützt die Anlagen
vor Schädlingen.
Warum sind eigentlich die guten alten Apfelsorten vom Markt verschwunden?
Jeder Verbraucher kann feststellen, dass das Apfelangebot im Supermarkt
in den vergangenen Jahren auf einige wenige Sorten zusammengeschrumpft
ist - und daran ist er selbst nicht ganz schuldlos: Der Lebensmittel-Einzelhandel
verlangt Sorten, die gut aussehen, immer lieferbar, transport-
und lagerfähig
sind. Auch Augustins hatten früher Goldparmäne, Herbstprinz, Glockenäpfel
und vieles mehr. Aber wenn diese Sorten selbst bei Kunden, die
Wert auf bewusste Ernährung und ökologische Belange legen, unverkäuflich
sind, werden sie gegen andere ausgetauscht.
Wochenmarkt-Fahrer können bestätigen, dass alte Sorten nur zu 10 % und Elstar, Jonagold und andere neue Sorten zu 90 % über den Wochenmarkttresen gehen. Auch in Geschmackstests schneiden die neuen Sorten immer gut ab.
Es ist allerdings wichtig, dass die Vielfalt alter Apfelsorten für
die zukünftige Züchtung erhalten bleibt.
Auch dem Streuobstbau
als landschaftsprägendes Element kommt eine große Bedeutung zu.
Seit mehreren Jahren betreibt Eckart Brandt im Rahmen des Boomgarden-Projektes Hochstamm-Obstanbau und die Kultivierung alter Sorten.
Wie bewahre ich die Bio-Äpfel am besten auf?
Ein kühles und feuchtes Lager ist heute in fast keinem Haushalt mehr
vorhanden. Der Keller ist in modernen Wohnungen und Häusern meist zu
warm und zu trocken.
Am besten packt man die Äpfel in einen perforierten Plastikbeutel und lagert diese im Gemüsefach des Kühlschranks oder auf der Terrasse, dem Balkon oder im Schuppen. Dabei ist selbst Frost bis zu minus 4 Grad Celsius für den Apfel kein Problem.
Die Schale einiger Äpfel glänzt so und fühlt sich fettig an. Sind die gewachst?
NEIN, unsere Äpfel werden nicht gewachst. Selbstverständlich
nicht!
Die Wachsschicht auf Äpfeln ist durch einen natürlichen Prozess
entstanden: Auch nach der Ernte reifen Äpfel weiter. Bei diesem Stoffwechselprozess
entstehen Ausscheidungen, die sich als fetthaltige Schicht auf der Schale
bemerkbar machen. Diese Wachsschicht ist natürlich und gesundheitlich
völlig unbedenklich.
Wie stark Äpfel eine Wachsschicht bilden, ist sortenabhängig:
Ambassy, Jonagold, Holsteiner Cox, Topaz und Gravensteiner neigen
stärker
zur Bildung einer Wachsschicht, dagegen Elstar, Boskoop und Pinova
weniger.